Vom Funktions- zum Erlebnisraum

Der Haupttrend im Baddesign zeigt sich derzeit weniger im Stilistischen, das sich sehr individuell ausprägt, als vielmehr in der Wandlung der Funktion der Räumlichkeiten. Als Hoteldesigner und Generalunternehmer haben wir über die letzten 20 Jahre hinweg die Entwicklung des Bades vom Funktionsraum zum Wohlfühl- und Erlebnisraum miterlebt. Wurde früher das Bad als nötiger Sanitärraum mit kurzen Aufenthaltszeiten definiert, verschwimmen heute die Grenzen zum Wohnbereich und auch dessen gehobene Ansprüche an Design und Komfort werden auf das Bad übertragen. Heute ist das Bad der Ort an dem Design und Funktion am härtesten aufeinandertreffen. Einerseits will man in der Gestaltung ganz neue Wege ausloten, andererseits muss die Funktionaliät gewahrt bleiben und die Gewerbetauglichkeit von Materialien und Oberflächen gewährleistet sein. Dieses Spannungsfeld reizt geradezu zu neuen Lösungen im Design- und Technikbereich.

Ein Erlebnis der Sinne

Das Bad als sensibler, sehr intimer Ort, wo wir unserer Sinneswahrnehmung noch viel direkter ausgesetzt sind – die Haptik der Oberflächen, „fühlbare“ natürlich anmutende Materialien liegen im Trend. Ein Bereich der in Zukunft noch mehr an Bedeutung gewinnen wird ist die Lichtgestaltung im Bad. Derzeit sehen wir schon das starke Bedürfnis Tageslicht in den Badebereich zu bringen. Innenliegende Baderäume werden zu den Wohnräumen hin geöffnet. Moderne Technik erlaubt Glastrennwände, die auf Knopfdruck opak werden. Biodynamisches Licht, das dem Biorhythmus des Menschen angepasst ist, und zu den verschiedenen Tageszeiten das jeweilige Spektrum des Sonnenlichtes ausstrahlt, verstärkt ein natürliches Wohlgefühl. Spezielle Lichttechniken erlauben dem Gast, sein Badeerlebnis nach Stimmung auszurichten. Auch die Möglichkeiten des Duftes für den Badbereich, bewusst wahrnehmbar oder nicht, unterstützend oder neutralisierend, ist ein Feld, das noch in den Kinderschuhen steckt.

In Kontakt mit den Elementen

Es ist das Bedürfnis die Natur ins Bad zu holen, über Materialien mit natürlichen Oberflächen, vertikalen Indoorgärten, Photo-Trompe-l’œil. Ein weiterer spannender Bereich ist auszuloten, wie man die Grenzen zwischen dem Bad im Innenraum und der umliegenden Natur öffnen kann. Aus der Badewanne direkt in die Frischluft. Das wird nicht bei jedem Objekt möglich sein. Im gehobenen Bereich, je nach Lokalität und Geländeformation ist es ein spannendes Thema, dem wir uns widmen möchten. Wasser, Pflanzen, Fels, Feuer; wir entwickeln gerade eine Möglichkeit, die in der Trennwand zwischen Wohnbereich und Bad einen offenen Kamin vorsieht, sodass von der Badewanne gleichermaßen das offenen Feuer genossen werden kann.

Beeindruckende Technik, simpler Komfort

Den Gast beeindruckt was er zu Hause nicht hat – Washlets, Spiegel, die sich in Bildschirme verwandeln. Wir sehen diesen Trend geteilt. Benutzer sind einerseits fasziniert von den technischen Möglichkeiten, andererseits ist die Stimmung dahingehend, das Bad als natürliche Oase zu erleben. Man genießt den Komfort, will die Technik aber nicht sehen.

In der Praxis bewähren sich oft ganz simple Lösungen. So ist ein enormer Komfortgewinn einfach eine Sitzmöglichkeit im Bad, ein eigener Schminkbereich oder ein beheizter Spiegel der nicht anläuft. Auch hier gilt es befreit von alten Mustern und effekthaschender Technikverliebtheit auf die Bedürfnisse der Benutzer zugeschnitten immer wieder neu zu überlegen und zu gestalten.

Individualität

In unserem gegenwärtigen westlichen Lebensgefühl ist derzeit jemand hip und interessant, der seine Individualität authentisch lebt, und trotzdem bzw. gleichzeitig Teil der „Community“ ist.

Dies können wir auch herunterbrechen auf die Gestaltung von Hotels. Es gibt zwar gewisse breite Design-Strömungen in die man sich einklinkt, aber vor allen Dingen wichtig ist den eigenen Ausdruck zu finden. Wir sind davon überzeugt, dass sich das in Zukunft noch verstärken wird. Es gilt, sich mit dem Konzept des Hauses zu befassen und dafür das passende Design incl. Bad zu entwickeln.

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